Die Wiener Karlskirche...

... und die Kreuzherren mit dem roten Stern

Karlskirche

Kaiser Karl VI. (Karl Franz Joseph Balthasar Johann Anton Ignaz; *Oktober 1685 in Wien; † Oktober 1740 ebenda; er war römisch-deutscher Kaiser und Erzherzog von Österreich) gelobte 1713 während der letzten großen Pestepidemie in Wien nach deren Ende eine Kirche zu erbauen. Aus diesem Grund findet man über dem Haupteingang die Inschrift „Vota mea reddam in conspectu timentium deum“, was übersetzt „ Ich will mein Gelöbnis erfüllen vor denen, die Gott fürchten“ bedeutet. Die Kirche widmete der Kaiser Karl VI. seinem Namenspatron Karl Borromäus (Carlo Borromeo; *Oktober 1538 bei Arona; † November 1584 in Mailand), dieser  war Kardinal und Erzbischhof von Mailand und gilt als Pestheiliger, da er sich in den Jahren der Pest 1576 bis 1578 der Fürsorge der betroffenen widmete und sein Leben verlor.


Johann Bernhard Fischer von Erlach gewann den Architektenwettbewerb und im Jahre 1715 ergingen die ersten Steinmetzaufträge an die Meister Haresleben, Hügel und Steinböck, wobei nur Hügel die Steinmetzarbeiten durchführte.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 04. Februar 1716. 1723 starb Fischer von Erlach und sein Sohn Joseph Emanuel stellte die Kirche bis 1739 fertig. Dieser änderte die Pläne teilweise. Die Kirche ist direkt auf die Hofburg ausgerichtet. Bis 1918 war sie die kaiserliche Patronatspfarrkirche.

Weiterführende Informationen

Kreuzherren mit dem roten stern

Der Ritterorden der Kreuzherren mit dem roten Stern (lat. Ordo militaris Crucigerorum cum rubea stella – O.Cr., tschech. Rytířský řád křižovníků s červenou hvězdou) wurde im Jahre 1233 von der böhmischen Prinzessin Agnes von Böhmen (auch Agnes von Prag; tschechisch Svatá (heilige) Anežka Česká, auch Anežka Přemyslovna; * Januar 1211 in Prag; † März 1282 ebenda) als eine Laienbruderschaft in Prag gegründet, welche karitativen Aufgaben nachging.


Papst Gregor IX erkannte die Bruderschaft 1237 als Orden mit einer Regel an. 1252 ließen sich die Kreuzherren an der Karlsbrücke (damals noch Judithbrücke) in Prag nieder, errichteten ihren Konvent, ein Kloster, das Heilig-Geist Spital mit der Kreuzherrenkirche (damals noch St. Franziskuskirche) und übernahmen an diesem wichtigen Handelsweg die Befestigung, den Schutz und die Wartung ebendieser Brücke. Der Orden gedieh und wuchs bald über die Grenzen Böhmens hinaus und es entstanden Niederlassungen in Mähren, Schlesien, Polen und Ungarn. Hauptsächlich widmeten sich die Kreuzherren der Pflege Kranker, weshalb sie eigene Spitäler unterhielten. Zudem setzten sie sich natürlich für die Seelsorge in ihren Pfarreien ein. Im Konvent bei der Karlsbrücke war es 1378 zu einem Brand gekommen. Zudem setzten die Hussitischen Kriege dem Orden zu. Viele Spitäler wurden zerstört und der Hauptsitz nach Eger verlegt.


1675 erhielten die Kreuzherren das Ordensstatut. Im 18. Jahrhundert blühte der Orden wieder auf. Neue Obere wurden ausgebildet und es gab neue Gründungen (wie z.B. in Wien). Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Orden gefestigt und viele Mitglieder waren als Professoren und Lehrer tätig.


Der Kommunismus traf die Kreuzherren schwer. Im Jahre 1950 wurden alle Klöster aufgelöst.


Erst 1990 wurde der Betrieb mit 7 alten Kreuzherren unter der Leitung von Großmeister (vormals Meister oder General) Dr. jur. Ladislav Sirový O.Cr. wieder aufgenommen. Die jungen Geistlichen leben im Konvent (wo im Kommunismus die Geheimpolizei untergebracht war) und studieren, die Priester sind mit der Seelsorge in den Gemeinden betraut. Mehr als 20 Geistliche gehören dem Orden heute an. Geleitet wird er derzeit vom Großmeister Pater Dr. pharm. Mag. theol. Josef Šedivý, O.Cr.